Unklare  Lahmheiten

Natürlich gibt es bei Lahmheiten auch recht eindeutige Fälle, zum Beispiel nach äußerlichen Verletzungen bzw. wenn ein Bein sehr deutlich warm oder angeschwollen ist – oder wenn eine Extremität gar nicht mehr oder nur noch extrem widerwillig überhaupt belastet wird. Sehr viel häufiger haben wir es aber leider mit unklaren Lahmheiten zu tun, da das Pferd instinktiv immer zunächst versuchen wird, Schmerzen durch eine Schonhaltung bzw. Überlastung anderer Bereiche zu kompensieren, bevor es überhaupt (für ein Raubtier oder eben auch für uns besorgte Zweibeiner) sichtbar lahmt.

 

Dies liegt einfach daran, dass das Pferd in der freien Wildbahn ein Beutetier ist. Würde es für ein Raubtier sichtbar lahmen, würde es von diesem umgehend aus dem Herdenverband isoliert und gezielt gejagt werden, da es durch die Lahmheit einfach die leichteste Beute wäre. Sichtbares Lahmen würde also für ein Pferd in der freien Wildbahn ganz akut sein Überleben gefährden, so dass das Pferd dies immer vermeiden wird.

 

Genau wie z.B. auch der wohlbekannte Fluchtinstinkt ist auch der Instinkt, aus Selbsterhaltungsgründen Lahmheiten zu kompensieren statt diese zu zeigen, auch in unserem heutigen, domestizierten Pferd noch unverändert aktiv. Infolge der Kompensation ist dann mit bloßem Auge häufig zunächst gar nicht eindeutig feststellbar, dass überhaupt eine Bewegungsstörung vorliegt. Das Pferd fühlt sich vielleicht einfach nur plötzlich unter dem Sattel anders an oder verhält sich anders als sonst. Und selbst wenn die Bewegungsstörung oder sogar schon Lahmheit im Bewegungsablauf bereits deutlich sichtbar ist, ist deshalb noch längst nicht erkennbar, wo sie tatsächlich herrührt, oft ist noch nicht einmal eindeutig zu sagen, auf welchem Bein die Lahmheit besteht.

 

Die thermografische Untersuchung des kompletten Pferdes wird die Ursache(n) in den allermeisten Fällen zutage fördern, selbst wenn bereits durchgeführte sonstige diagnostische Maßnahmen, z.B. auch eine klassische Lahmheitsuntersuchung mittels diagnostischer Anästhesien, also durch sukzessives Abspritzen einzelner Gelenke, keine klaren Ergebnisse gebracht haben.

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© Pferdethermo-Nord Beate Schneider

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